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Übersicht der Pressemitteilungen der Stiftung

 

Bewährtes und Neues in der Stiftungsarbeit im Jahr 2021

Bautzen,

Bewährtes und Neues in der Stiftungsarbeit im Jahr 2021 - ein Gespräch mit dem Direktor der Stiftung, Jan Budar

Die Stiftung für das sorbische Volk wird in Zukunft wahrscheinlich mehr Finanzmittel zur Verfügung haben, welche konkreten Auswirkungen hat dies auf die Stiftungsverwaltung?

Die Zuschüsse für die Stiftung für das sorbische Volk deckten im vergangenen Jahrzehnt lediglich die Finanzierung etablierter Strukturen und Maßnahmen ab. Eine positive Ausnahme bildete der Bereich der Digitalisierung, wofür die Stiftung seit 2015 zusätzliche Mittel erhält. So konnten wir erste Rückstände aufholen. Anderen wichtigen Bereichen wie der Stärkung von Sprachräumen und der Identität sowie der Professionalisierung des Marketings konnte im bestehenden Personal- und Finanzrahmen nicht die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Mit der geplanten Erhöhung der Zuschüsse ab dem Jahr 2021 hat die Stiftung zum ersten Mal seit ihrem Bestehen die Chance, sowohl neue Arbeitsplätze in den geförderten sorbischen Institutionen als auch optimalere Arbeitsstrukturen in der eigenen Verwaltung zu schaffen. So wird derzeit die Besetzung der Stelle der/des Bevollmächtigten für Digitalisierung vorbereitet, die/der die Empfehlungen des Digitalisierungskonzeptes, welches kurz vor der Vollendung steht, zielgerichtet umsetzen und entsprechende Aktivitäten zwischen den Institutionen koordinieren soll. Ferner soll in Bautzen und Cottbus die Personalkapazität für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit insgesamt um eine Personalstelle erweitert werden. Und schließlich soll in der Niedersorbischen Bibliothek in Cottbus/Chóśebuz ein fester Arbeitsplatz entstehen, was geregelte Öffnungszeiten und die kontinuierliche Durchführung von Veranstaltungen sichert.

Der Stiftungsrat hat eine Liste von Maßnahmen und Bereichen beschlossen, die mit zusätzlichen Mitteln gefördert werden sollten, unter anderem der Einsatz sogenannter "Sprachmotivatoren" zur Stärkung von Sprachräumen. Was macht so ein Motivator und wo soll er eingesetzt werden?

Das Hauptaugenmerk unserer Förderung liegt auf der Belebung und Stärkung von Sprachräumen und der sorbischen Identität. Dafür sind Aktivitäten in unmittelbarer Nähe jener notwendig, die als Zielgruppe erreicht werden sollen. Dabei ist es wichtig herauszu- finden, wie und womit es in den verschiedenen Regionen der Lausitz (und vielleicht auch darüber hinaus) gelingt, Interessenten anzusprechen und die sorbische Sprache und Identität zu vermitteln. Das Ideenspektrum reicht von Vorträgen über sorbische Regionalgeschichte und Kurse zu sorbischen Bräuchen bis hin zum Organisieren von sorbischen Stammtischen, Liederabenden und Sprachkursen. Im Verlauf des Jahres 2021 soll das Potential der jeweiligen Regionen analysiert werden. In diesem Zusammenhang entsteht ein abgestimmter Sprachplan. Mit einem Ideenwettbewerb sollen konzeptionelle Überlegungen angestoßen werden. Das erfolgreiche Wirken des Sprachmotivators in Malschwitz wollen wir weiter unterstützen, zugleich soll in der Niederlausitz eine entsprechende Pilotphase gestartet werden. Ab 2022 wollen wir auf der Grundlage der ersten Erfahrungen, des abgestimmten Sprachplans und der Ergebnisse aus dem Ideenwettbewerb die Aktivitäten in diesem Bereich verstärken. Dafür sind insgesamt 7 neue Stellen vorgesehen.

Des Weiteren spricht man von einer Ausweitung des Angebotes an Sprachkursen. Was heißt das?

Die Ausweitung des Angebotes an obersorbischen Sprachkursen für verschiedene Zielgruppen ist ein weiterer neuer Schwerpunkt. Angefangen bei Grundkursen für alle an der Sprache Interessierte, sollten auch Eltern, deren Kinder eine sorbische Einrichtung besuchen, die Möglichkeit haben, Sorbisch zu lernen. Außerdem sollen den Angestellten in sorbischen Institutionen Kurse angeboten werden, da wir ja dort Sorbischkenntnisse auf höchstem Niveau erwarten. Natürlich dürfen auch Angebote im digitalen Format nicht fehlen, die eine Kommunikation unter den Lernenden jenseits geografischer Grenzen ermöglichen. Die große Herausforderung wird darin bestehen, entsprechende Dozenten zu finden, existierende Angebote mit neuen Bedarfen zusammenzuführen und die Inhalte so zu standardisieren, dass letztendlich Sprach-Zertifikate ausgereicht werden können.

Was bedeutet es, sorbisches Marketing zu professionalisieren?

Die Welt wird ständig lauter, ohne Unterlass überhäuft uns die Wirtschaft mit Werbeoffensiven. Deshalb reicht es nicht mehr, über sorbische Angebote nur zu informieren, vielmehr müssen diese aktiv beworben werden. Unsere Kapazitäten für ein zeitgemäßes Marketing sind unzureichend. Neben gemeinsamer Weiterbildung im Bereich neuer Marketinginstrumente und -strategien sollen daher zusätzlich Personalkapazitäten für Marketing bei der Stiftung, im Domowina-Verlag und im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen aufgestockt werden.

Was verbirgt sich hinter dem Vorhaben, in der Niederlausitz eine Kulturakademie einzurichten?

Die Diskussion darüber, wie das seine Bemühungen um den Nachwuchs in der Niederlausitz intensivieren kann, führen wir schon ein ganzes Jahrzehnt lang. Es ist verständlich, dass die niedersorbischen Kinder auch gern eine Tanzgruppe hätten, wie es die "Łužičanka" in der Oberlausitz ist. Genauso fehlt es in der Niederlausitz an sorbischer Theaterpädagogik, wie sie das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen seit 2017 anbietet. Wir haben erkannt, dass es für eine Bautzener Institution u. a. auf Grund der Entfernung kaum praktikabel ist, regelmäßige Aufgaben in der Niederlausitz wahrzunehmen. So haben wir nun im beiderseitigen Einverständnis einen Weg gefunden, in der Niederlausitz eine eigene Struktur in Form einer Kulturakademie mit den Bereichen Gesangs-, Tanz- und Theaterpädagogik sowie bildende Kunst aufzubauen. So nutzen wir die Erfahrungen von Akteuren, die dort schon lange aktiv sind und gewährleisten gleichzeitig eine höhere Akzeptanz. Damit die Verbindung zu den professionellen Institutionen nicht verloren geht, werden einzelne Projekte in Kooperation mit dem Sorbische National-Ensemble und dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater durchgeführt.